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St. Thomas Stenden
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Kirche der neuen Pfarrgemeinde St. Dionysius Kerken

Im Jahre 1483 hatte Thomas Heym, ein hoher Beamter des Herzogs von Geldern  Sophia von Steynden geheiratet und den Grundstein für die erste Stendener Kapelle gelegt, die sie aus eigenen Mitteln bauten. Sie weihten diese Kapelle zu Ehren des Stifters dem hl. Thomas und der hl. Magdalena, der Patronin von Geldern. Letztwillig fügten die Eheleute noch ein Familienbenefizium hinzu (Testament von 1498, dies befindet sich im Pfarrarchiv von Aldekerk, Urkunde 17, vergl. auch Urkunde 20), d.h., sie stifteten der Kapelle einige Morgen Land „zur Nutzung durch den Priester, der die Kapelle bedient und er soll wöchentlich eine hl. Messe lesen". Ihren Standort hatte die Kapelle gegenüber dem Wohnhaus von Thomas Heym nahe dem Gelände des jetzigen Friedhofs. Über die Geschichte der Kapelle wurde in einem ausführlichen Artikel in der „DOMGLOCKE", Osterausgabe 1996, berichtet, der auf   Aufzeichnungen von Hubert Große- Osterholt, Kaplan in Aldekerk von 1928-1938, sowie auf einen Aufsatz von Lehrer Heinrich Sommer aus Nieukerk zurückgeht. Interessant  ist allerdings,  dass Heinrich  Sommer in einem   1958 erschienenen Beitrag     im  Gelderschen Heimatkalender „zum 300. Jubelfest der St. Thomas-Schützenbruderschaft Stenden „ eine Urkunde aus dem bischöflichen Archiv zu Roermond anführt, aus der hervorgeht, dass am 7. Mai 1667 der Bischof von Roermond die Kapelle von Stenden besucht hat, die den Titel St. Antonius führt. Danach könnte der eigentliche und ursprüngliche Patron der hl. Antonius gewesen sein.

Heinrich Sommer begründet dies plausibel damit, dass nach den wirtschaftlichen Verhältnissen St. Antonius insofern der gegebene Patron für die Bauernschaft Stenden war, da dieser Heilige hier ringsherum zuhause war. Er wurde allgemein als der Beschützer des Viehs in der gesamten Vogtei Geldern und darüber hinaus verehrt. Es ist auch interessant, dass im Jahre 1650 für Stenden noch eine St. Antonius-Bruderschaft urkundlich erwähnt wird. Allerdings beweist ein anderer Hinweis einen Wechsel im Patrozinium der Kapelle (Staatsarchiv zu Düsseldorf), nämlich dass im Jahre 1657 ein St. Thomas-Junggesellenschützenverein genannt wird.

 Die Frage ist: Führte die Stendener Kapelle - ob offiziell oder nicht offiziell - womöglich den Titel St. Antonius als Nebentitel vor dem Haupttitel St. Thomas? Damit mögen sich zukünftige Historiker beschäftigen.

1536 wurde der Turm der Kapelle wegen Baufälligkeit abgerissen und von Grund auf in Stein und Holz neu errichtet. 1620 wurden durch die Wirren des 30jährigen Krieges bedingt, das Dach und der Altar erneuert. Durch die Säkularisation in der Folge der Französischen Revolution 1789 und der Napoleonischen Kriege wurde die alte Stiftung von Thomas Heym aufgehoben, das zur Kapelle gehörige Land eingezogen und später verkauft, so der Hof op den Dreven in 1811. Dieser wurde 1820 zurückgekauft mit Mitteln aus der Rückerstattung durch die Staatskasse. Die Kapelle selbst blieb im Status einer Hilfskapelle der Gemeinde erhalten.

 1826 begann man mit dem Neubau einer Kapelle nach den Plänen des Krefelder Bauunternehmers Omsels. Der Bau wird als ein „nüchterner Backsteinbau" bezeichnet, „mit flacher Decke, an jeder Seite drei rundbogige Fenster, auf dem Satteldach ein hölzerner Dachreiter"

Kirchlich gehörte Stenden seit 1483 zu Aldekerk, Die ganze Vogtei Geldern hatte ursprünglich überhaupt nur zwei Pfarreien: Aldekerk und Nieukerk. Es sollte noch über 400 Jahre seitdem dauern, bis nach zeitweise erbittert geführten Selbständigkeitsbestrebungen der Bürger im Dezember des Jahres 1858 Stenden von Aldekerk getrennt und zur selbständigen Pfarrei wurde. Die Stendener Kapelle wurde damit zur Pfarrkirche erhoben. Der Bau wurde 1906 wegen Baufälligkeit abgetragen. Auf dem Kirchplatz, umsäumt vom heutigen „Dom", dem Friedhof, dem Pastorat und der alten Schule erinnert ein schlichtes Denkmal an die Jahrhunderte, in denen hier der Altar der Kapelle gestanden hat.

DER BAU DER NEUEN PFARRKIRCHE

Der Beschluss zum Bau der neuen St. Thomas-Kirche  wurde am 24. Mai 1900 gefasst.
Nachdem also die Baupläne genehmigt waren, wurde das Bauunternehmen J. Pegels und Pervers aus Kempen mit der Ausführung beauftragt.
Der kreuzförmige Backsteinbau  zeigt vorwiegend romanische Stilelemente. Einige Details sind der frühen Gotik entnommen.

An das zweieinhalbjochige Längsschiff schließt sich ein Querhaus mit Vierungsturm an, auf das ein querrechteckiges Chorjoch mit Halbkreisapsis folgt. Zwischen Querhaus und Chorjoch befinden sich kleine Sakristeien mit Satteldächern. Die Westfassade mit dem Hauptportal, der Kombination von Rundbogenfries und Blendgalerie, sowie betonten mittleren Fenstern ist aufwendig gestaltetes. Abb. Deckblatt)

Man beachte, dass sich ursprünglich über der Westfassade ein Glockentürmchen befand, das später abgebaut wurde. Das Geläut ist heute unter dem vorderen Kirchendach untergebracht.

Entsprechend reiche Bauformen finden sich an der Ostpartie, insbesondere an der Apsis und an dem achteckigen, durch ein Faltdach gedeckten Vierungsturm.

Manch ein Besucher, der die Stendener Kirche heute sieht, wird sich fragen, wie ein so kleines Dorf an ein solch verhältnismäßig großes Gotteshaus kommt. Nach mündlicher Überlieferung sollten ursprünglich an das Längsschiff der Kirche jeweils links und rechts noch Seitenschiffe angebaut werden, wie es der Architekt Rüdell z.B. an der St. Peter-Kirche in Sinzig am Rhein geschaffen hatte. Man hatte nämlich damals daran gedacht, dass bei Stenden in nächster Zeit ein Steinkohlebergwerk mit Bergmannssiedlung und entsprechendem Bevölkerungszuwachs entstehen würde. Dies hätte auch ein größeres Kirchengebäude erfordert. Der Schacht der Zeche Niederberg wurde jedoch in Neukirchen (Dickscheheide) bzw. in Tönisberg abgeteuft. Somit unterblieb der Seitenschiffanbau, die Kirche dennoch eine beachtliche Größe aufweist. Bereits 1920 mussten aber im Längsschiff zwischen den Seitenwänden Stahlanker eingezogen werden, um den verstärkten Druck des Gewölbes wegen der fehlenden Seitenschiffe aufzufangen.

Dem Stil der äußeren Architektur ist die Ausstattung im Inneren weitgehend angepasst.

Die bald nach der Fertigstellung der Kirche ausgeführte innere Baufassung und die figürlichen Malereien im Chor wurden in den Jahren 1977/78 aufgedeckt und durch den Kunstmaler H.M. Bongartz aus Issum restauriert.

Dabei wurde auf die Wiederherstellung der ursprünglichen Schmuckformen im Lang- und Querhaus verzichtet. Hier handelte es sich insbesondere um Teppichmalereien in der Sockelzone, ornamentierte Bänder an den Fensterrändern und an den Gewölbegliedern sowie um Darstellungen der von Medaillons umfassten Halbfiguren der Kirchenväter oberhalb der Vierungsbögen.

 

Zu den weißen Wand- und Gewölbeflächen im Längsschiff und Querhaus bilden die in grau gehaltenen tragenden Architekturteile mit ihren roten Fugenstrichen auf weißem Grund einen lebhaften Kontrast. An den Wänden im Chorjoch befinden sich unter ornamentierten Arkaden die Darstellungen der Heiligen Thomas von Aquin, Alphons, Paschalis, Juliana, Barbara und Katharina von Siena. Die Teppichmalerei in der Sockelzone in der Apsis imitiert mit dem Motiv von Lotospalmetten zwischen Vogelpaaren mittelalterliche Seidengewebe aus dem toskanischen Lucca.

Zwischen den Fenstern der von dem Kevelaerer Maler Gerhard Schoofs.

In der Apsis stehen die vier Evangelisten. In der Kuppel befindet sich die Darstellung des letzten Gerichts mit Johannes dem Täufer und Maria als Bittflehende.

Die Glasmalereien in den drei Fenstern der Apsis zeigen die Geheimnisse des freudenreichen, des schmerzhaften und des glorreichen Rosenkranzes. Die Fenster wurden 1906 durch den Kirchenvorstand genehmigt und von der Glasmalerei Derix aus Kevelaer ausgeführt.

Der Hochaltar in Eiche, teilweise vergoldet und farbig gefasst, wurde 1901 an den Bildhauer H. Voß, Emmerich, in Auftrag gegeben und ein Jahr später aufgestellt. Schon 1908 erfolgte eine von der  Familie  Opdemom  gestiftete  Renovierung  durch  die  Brüder Tenelsen, Krefeld. Aus diesem Jahr stammen auch die signierten und datierten Flügelmalereien.


Die vierzehn Stationen des Kreuzweges aus farbig gefassten Gips, entstanden Anfang des 20. Jahrhunderts, sind zu jeweils vier Reliefs unter Rundbogenarkaden in die Wände des Längsschiffes eingelassen. Eine Restaurierung der Fassung erfolgte vor einigen Jahren.

                                                           

Seit dem 3. Juli 1983 befindet sich gleichsam als Ergänzung zu der neugotischen Muttergottes-Statue auf der linken Seite vor der Apsis

auf der rechten Seite die Statue des Apostels und Stendener Schutzheiligen St. Thomas

An diesem Tage jährte sich  zum 500. Male der Weihetag der ersten Kapelle in Stenden. Pfarrer Fritz Mentzel hatte die Statue am Tag zuvor in München abgeholt. Geschnitzt wurde sie nach einem Entwurf der Münchner Kunstwerkstätten Carl Ludwig von einem Bildhauer in Südtirol. Finanziert wurde die Statue durch Spenden aus der Kirchengemeinde wie überhaupt vieles in der neueren Vergangenheit in Stenden durch materielle und arbeitsmäßige Hilfe ermöglicht wurde: so beispielsweise die Gestaltung des Platzes um die Kirche, die Instandsetzung und Erweiterung des Friedhofs, der Bau der Friedhofskapelle oder die Renovierung der Glockenanlage. Im Jahre 1863 hatte die Pfarrgemeinde eine alte Orgel aus der Barockzeit erworben.
Diese wurde 1746 von Peter Weidtman junior (1698-1753) aus Ratingen ursprünglich für die reformierte Kirche in Vluyn gebaut. Dort hat sie sechszehn Jahre ihren Dienst getan bis sie nach Stenden verkauft wurde. Die Orgel wurde von Orgelbauer Wilhelm Rütter aus Kevelaer zunächst in der damals noch "bestehenden alten Kirche aufgestellt. 1903 wurde sie durch Sohn Julius Rütter in die neue Kirche eingesetzt. Im Laufe der Jahre haben verschiedene Firmen die Orgel gewartet, u.a.bemühte sich ein Orgelbaumeister aus Ubach-Palenberg (Kreis Heinsberg), das Instrument spielfähig zu halten. Ihm erteilte 1979 der Kirchenvorstand den Auftrag, das Instrument zu renovieren und zu einem anspruchsvollen Orgelwerk zu erweitern.
Am 2. Oktober 1982 konnte die quasi neue Orgel feierlich eingeweiht werden. Sie bietet für die Interpretation von Orgelmusik aus allen Stilepochen optimale Möglichkeiten, wie dies von namhaften Orgelmusikern festgestellt wird.

Im Jahre 1986 kannte auf Initiative von Pfarrer Mentzel auch der neue Zelebrationsaltar an der Stelle des bisherigen Provisoriums aufgestellt werden. Zugleich wurde ein neuer Ambo, Priestersessel, Taufbecken und Osterkerzenhalter aufgestellt. Alle diese Werke im modernen Stil, gefertigt aus Bronzeguss, wurden von dem Issumer Künstler Reinhard Bongartz entworfen.

Die Einweihung des neuen Zelebrationsaltars erfolgte am 28.2.1999, einem auch insofern besonderen Festtag als der Bischof von Roermond, Frans Wiertz , zu Besuch in Stenden war. Da die Pfarrei zusammen mit Aldekerk ab Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur französischen Revolution in 1789 rund 200 Jahre Teil des Bistums Roermond war, lud sie, um an diese Tradition anzuknüpfen , Bischof Wiertz zur Weihe des Altars ein. Pfarrer Josef Wilmsen aus Aldekerk und Alois Bimczok, Pfarrer von Tönisberg und Pfarrverwalter von Stenden assistierten als Konzelebranten.

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